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Soli-Titel

Reisebericht im Rahmen des Modellprojekts „Kommunale Dreieckspartnerschaften“

Burkina Faso 29.11. – 6.12.2007

Kurze intensive Vorbereitungszeit – kurze und intensive Reise nach Burkina Faso – meine zehnte Reise seit 1988 – und die erste Reise, die ich alleine mache, ohne für work-camp-Jugendliche, eine Reisegruppe, die Delegation der Stadt Ettlingen oder eine Fotografin verantwortlich zu sein...Seit meiner letzten Reise sind allerdings 5 Jahre vergangen...

Nur eine Woche in Burkina – im Vorfeld hatte ich viele Bedenken, ob sich das überhaupt lohnen würde. Und es hat in der Tat einiges an Organisation, Telefongesprächen und e-mail – Kontakten gekostet, bis das Programm so einigermaßen stand und die Voraussetzungen wie Visum, aktualisierte Impfungen, Versicherungen, Mitnahme von Geschenken etc. geklärt waren.

Vom 29.11. bis 6.12. konnte ich Urlaub nehmen, am 7.12. musste ich mittags schon wieder zur Arbeit erscheinen...

Flug am 29.11. also ab 7h25 von Frankfurt , umsteigen in Paris , nach Ouagadougou, Zwischenstation Niamey...durch die Aufenthalte nicht die schnellste Verbindung, mit einer Stunde Verspätung bin ich gegen 19Uhr in Ouaga.

Erstaunlich schnelle Abfertigung, Gepäck gleich da – prima.

Abgeholt werde ich von meinem Gastgeber in Ouagadougou, Herrn Souleymane Sow aus Fada N’Gourma, der 1990 über die Partnerschaft Ochsenhausen – Piela nach Deutschland kam, Verbindungen nach Ettlingen fand und ein guter Freund unserer Familie und Mitglied unseres Vereins Solidarität wurde. Souley war Stipendiat der Carl-Duisberg-Gesellschaft und hat sich auf dem Gebiet der Elektrotechnik eine gute Grundlage für seine jetzige Tätigkeit in Burkina geschaffen – vor allem seine nächtelangen Einsätze am Computer haben sich ausgezahlt: Souleys Firma microsow betreut mittlerweile die Computer der Deutschen Botschaft, der GTZ und anderer NGOs , plant und installiert Solarenergieanlagen und hat gerade ein Patent angemeldet für ein mobiles Gerät, mit dem die Akkus von Mobiltelefonen (deren Omnipräsenz in Burkina mich mehr als erstaunt hat...) mit Solarstrom aufgeladen werden können. Microsow beschäftigt 9 fest angestellte Mitarbeiter und ist in ganz Burkina tätig. ( www.microsow.com )

Souley ist seit 1996 mit Petra geb. Füßler, einer Ettlingerin, verheiratet, die erste Tochter ist 1997 noch im Karlsruher Krankenhaus geboren worden, die anderen beiden kamen in Ouagadougou zur Welt. Petra ist Erzieherin und arbeitet an der internationalen Schule in Ouaga, die Kinder gehen auf die französische Grundschule ... nach zehn Jahren intensiver Arbeit und Anstrengung scheint für die beiden ein großes Ziel erreicht. Für mich natürlich ein Luxus, in einer Familie aufgenommen zu sein, den Chauffeur nutzen zu können und viel über die aktuelle Situation des Landes zu erfahren.

Am Morgen des 30.11.geht es allerdings schon weiter nach Fada N’Gourma. Mit dem Chauffeur von Alfred Ouoba, einem weiteren Freund , der 1997 zu einem ersten work-camp (zur Stadtranderholung) in Ettlingen war und der seitdem zahlreiche interkulturelle Projekte in Deutschland mit unserem Verein durchgeführt hat und der mittlerweile in Fada eine kleine auberge hat und ein Reiseunternehmen leitet (www.burkinatours.com)

Der Chauffeur bringt mich in etwa 4 Stunden nach Fada – endlich angekommen...

Die Zeit in Fada ist geprägt durch zahllose Begegnungen mit work-camp Teilnehmern und alten Freunden , mit „offiziellen“ Kontakten und durch die Inaugenscheinnahme der vielen Projekte, die der Verein , z.T. zusammen mit Epernay, z.t. mit Unterstützung der Stadt Ettlingen, seit 1986 in Fada durchgeführt hat.

Zahlreiche Jugendliche aus den verschiedenen work-camps nutzen die Gelegenheit zu einem Wiedersehen im Hof von Alfreds auberge, kleine Mädchen, die zu jungen Frauen herangewachsen und Mutter geworden sind, früher arbeitslose Jungen, die mittlerweile eine Lehrerausbildung gemacht haben und an einer Grundschule unterrichten, aber natürlich auch diejenigen, die sich zum x-ten Mal mit Zigarettenverkauf oder mit dem Verkauf von Telefonkarten über Wasser halten...

Ein großer Vorteil für die Vereinsarbeit besteht darin, dass seit Oktober 2006 ein Mitglied des Vereins aus Ettlingen, Herr Christoph Heinemann-Grüder im Auftrag des ded für FICOD in Fada arbeitet, und zwar in der Beratung beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung. Sein Aufgabengebiet sind die kleinen Kommunen im Umkreis von Fada, die eine gewisse Selbständigkeit haben, aber ihre Vertreter auch in den Gemeinderat von Fada N’Gourma schicken und für die der Bürgermeister von Fada zuständig ist.

Mit Christoph habe ich am Samstag eine „ tour de nos réalisations“ quer durch Fada und quer durch 20 Jahre trinationaler Zusammenarbeit gemacht.

Wir beginnen mit dem dispensaire - jetzt um eine maternité erweitert – im secteur 7: eines der ersten Projekte, work-camp 1985 oder 86...

Funktioniert einwandfrei, ich treffe 3 Krankenschwestern im Schatten des Baumes, sie berichten von vielen Geburten und zu versorgenden Kranken. Die Bevölkerung nimmt die Station gut an, eine consultation kostet für Erwachsene 100CFA, für Kinder 25CFA...

Der nächste Halt ist weniger erfreulich: der jardin d’Ettlingen, in mehreren work-camps begrünt und mit paillottes versehen und schon 99 von OB Offele besucht, macht einen traurigen Eindruck: der Kiosk ist zu, die Frauenkooperative von Mme Pitroipa bewirtschaftet den jardin nicht mehr – zu viele Probleme, von denen ich nach und nach aus verschiedenen Blickwinkeln erfahre... Ergebnis: ein umzäunte, aber ungepflegte Fläche, wo nur ( aber immerhin!) der Brunnen genutzt wird, den wir vom Verein finanziert haben.

Weiter geht die Fahrt vorbei an der ersten großen Koranschule, die von Dubai finanziert wurde und ein großes Terrain umfasst, zum Gegenstand des work-camps von 1987, der Tikontischule: die beiden dreiklassigen Gebäude stehen gut da, sogar neue Toilettenanlagen sind gebaut worden, nur platzt die Schule aus allen Nähten: überall Anbauten aus Stroh als provisorische Klassenzimmer!! Wenn das ein Zeichen für den zunehmenden Schulbesuch der Kinder ist, dann hat das ja wenigstens diese gute Seite – die Lernbedingungen sind aber einfach unzumutbar!

Weil wir gerade in der Nähe sind zeigt Christoph uns noch den Neubau des städtischen Gymnasiums, ziemlich weit außerhalb im Sektor 9 , der mithilfe von FICOD gebaut wurde, eine deutsch-burkinische Gemeinschaftsleistung also. Das Gymnasium Diaba Lompo platzt wohl auch aus allen Nähten...

Dann geht’s weiter zur maternité im secteur 11:

Nach dem vielversprechenden Beginn 1986 war dieses Projekt Stein des Anstoßes für viele Missstimmigkeiten zwischen dem comité de jumelage und den europäischen Partnern... ein Paradebeispiel für ungenügende Zusammenarbeit.

Wir haben oft ohne die zuständigen Gremien geplant ( aus Unwissenheit oder/und Bequemlichkeit?) - die Kommunikation ist auch erst seit dem mail-Verkehr wirklich einfacher geworden – und die afrikanische Seite hat es geschafft, große Summen in kleinste bauliche Ergebnisse umzusetzen....viel Misstrauen ist entstanden, weil das Projekt einfach nicht zu einem Ende kam: erst fehlte die Mauer ( deren Bedeutung wir anfangs gar nicht verstanden haben...), dann wurden im nächsten work - camp Duschen und Toiletten gebaut, dann sollte gleich ein CSP daraus entstehen und unser Geld reichte dafür nicht aus usw.usw...Ich denke, die beständigen Besuche aus Epernay, die Kontakte mit den zuständigen Stellen und die Beteiligung der Stadt Epernay am Bau der Mauer haben dazu beigetragen, dass mit dem work-camp 2006 schließlich die letzten Schritte zu einer funktionierenden maternité gemacht werden konnten: seit Februar sind 166 Babies in der maternité geboren, sie wird gut angenommen von den Frauen der näheren Umgebung, die auch die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen dort nutzen, wie uns die anwesende Hebamme erklärte.

Auf dem großen Gelände soll noch ein Magazin entstehen und das Ganze soll langfristig zu einem Gesundheitsposten erweitert werden..

Vom comité de jumelage war an Christoph der Wunsch nach einem chateau d’eau herangetragen worden, um eine kontinuierliche Wasserversorgung zu gewährleisten – ein Anschluss an die Wasserleitung ist vorhanden.

Der Verein hat nun 500000CFA gespendet (etwa 800€), die am Sonntag in Anwesenheit des Bürgermeisters feierlich übergeben werden sollen...

Der Place d’Epernay, 1996 in Angriff genommen und mit vielen hoffnungsvollen Bäumen bepflanzt von den Vertretern der Partnerstädte bietet wie der jardin d’Ettlingen ein eher trauriges Bild. Immerhin ist der Kiosk offen und es gibt wohl manchmal ein paar Gäste, aber nicht so viele, dass der Betrieb die vom comité de jumelage erhofften 25000CFA pro Monat an Pacht abwerfen würde: beide „Grünflächen“ haben noch keinen Cent abgeworfen... Immerhin funktioniert auch hier der Brunnen, den damals die Stadt Ettlingen mit finanziert hat!

An der Schule im Sektor 3 ist im work-camp 1990 gebaut worden: sie hat jetzt auch eine Mauer um ein großes Gelände und die neuen Toilettenanlagen, der Hof wird am Samstag von einer begeisterten Kinderschar zum Fußballspielen genutzt...

Den langen Tag beschließt ein Abendessen mit der Vorsitzenden des comité local de jumelage, Irène Thiombiano, und der Vorsitzenden der Frauenkooperative, die den jardin d’Ettlingen übernommen hatte, Mme Pitroipa (mit ihrer Tochter Gisèle die 1985 im ersten work-camp dabei war...) im Restaurant von Mme. Kanfieni Ouedraogo, einer Stadrätin, die im März zusammen mit dem Bürgermeister, Herrn Moumouni Kocty, in Ettlingen gewesen ist und die uns jetzt erst zum Essen einlädt und dann noch mitnimmt zu einer nuit culturelle im Jugendzentrum von Fada, wo wir u.a. einen Auftritt der Troupe Boyaba erleben, die 1989 im Rahmen der Burkina Faso Woche in Ettlingen aufgetreten ist...

Zweiter Schwerpunkt des Besuches in Fada. Nach einem weiteren Projektbesuch und zwei privaten Besuchen steht am Sonntagnachmittag die Übergabe des Schecks über 500000CFA für ein „chateau d’eau“, einen Wasserhochbehälter für die neu erbaute maternité auf dem Programm.

Anwesend sind neben der Hebamme und dem Verwaltungsleiter der maternité die Präsidentin und Mitglieder des lokalen comité de jumelage , der stellvertretende Bürgermeister und dann der Bürgermeister selbst, der sich trotz vieler anderer Verpflichtungen und am Vorabend seiner Abreise zu den Journées de la commune und den Assises in Ouaga doch noch die Zeit genommen hat für den protokollarischen Akt der Übergabe.

Den Scheck haben wir ausgestellt auf das comité de jumelage/ commune de Fada – und diese wenig eindeutige Adresse soll Anlass sein für eine Frage des Bürgermeisters im Rahmen der journées de la commune: wer kann den Scheck denn dann eigentlich einlösen??? Eine der vielen Fragen, bei denen unser Pilotprojekt vielleicht zu einer Antwort beitragen kann...

Ein letzter Abend mit einem letzten Höhepunkt in Fada:

15 Jugendliche aus Alfred Ouobas Verein ATCD führen im Hof der auberge extra für uns ein Theaterstück auf, das sie im Rahmen des FESDIG, des festivals in Tiantiaka, zeigen und auch schon in Fada vor dem Rathaus vorgeführt haben. Es geht ihnen dabei um die Sensibilisierung für die Bedeutung der Schulausbildung für Mädchen :

In lustigen und einprägsamen Szenen werden die kontrastreichen Wege von zwei Freundinnen geschildert – der Vater der einen nimmt seine Tochter aus der Schule, damit sie sich zuhause nützlich macht und nichts kostet, der andere lässt seine Tochter eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Da Ergebnis wird eindrücklich geschildert: unglücklich verheiratet steht die Tochter des uneinsichtigen Vaters am Ende weinend neben ihrer Freundin, die gut gekleidet ihrem Vater sogar ein Fahrrad von ihrem Lohn kaufen konnte!!

Mit großer Spielfreude und viel Humor ist hier ein ganz aktuelles Problem aufgegriffen worden, das mit dem Theaterstück sehr vielen Menschen näher gebracht wird. ( Siehe auch den Hinweis auf das FESDIG im sehr guten englischsprachigen Bradt’s Reiseführer Burkina Faso )

Montag dann zurück nach Ouaga und Planung der Einkäufe für den Weihnachtsmarkt des Vereins Solidarität, abends lerne ich ein superchices Restaurant kennen: Das „Gondwana“ – ein Besuch ist wärmstens zu empfehlen...

Der Dienstag vergeht mit einer ersten Übersicht über das Angebot an Kunsthandwerksartikeln für unseren Weihnachtsmarkt – ich lasse mich begleiten, weil ich noch nicht lange genug da bin, um schon eine gute Händlerin zu sein...

Treffe dann in der „Rose des Sables “Noufou Ouedraogo, einen Künstler, der 1989 zur Burkina Faso- Woche in Ettlingen war und seitdem mehrfach in Europa ausgestellt hat. Beatrice Dabire, die Besitzerin des Hotels, kenne ich auch schon seit Jahren – ihr Restaurant war meistens das Ziel unserer work-camp Teilnehmer vor dem Abflug nach Hause...Jetzt klagt sie über die Schwierigkeiten, die der Mittelstand in der burkinischen Gesellschaft hat, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht ...

Und dann bereite ich mich auf den Abend vor, das festliche diner auf Einladung des AMBF.

Ein ungewohntes Szenario: das hotel de ville festlich erleuchtet, Lichterketten verdecken fast das Gebäude...Ich stehe etwas hilflos vor dem beginnenden Trubel – mir fällt ein, dass ich ja gar keine Einladung oder so was habe... Das stellt sich auch gleich als Problem heraus: man will mich nicht durchlassen...Aber die Hautfarbe spricht wohl für meine Versicherungen, dass ich hier erwartet werde – ich kann mich vorbeidrängeln und werde glücklicherweise auch gleich von M. Kocty begrüßt – er hat einen Tisch für uns reserviert:

Irene Thiombiano vom comité de jumelage in Fada, Genevieve Lamotte, conseillere municipale aus Epernay und ich als Vertreterin des Vereins Solidarität aus Ettlingen sitzen gemeinsam mit 2 Bürgermeisterkollegen aus der Umgebung von Fada am Tisch von M. Kocty und hören zunächst die Begrüßungsreden und bewundern die tänzerischen Darbietungen. Gewohnt dunkel das Umfeld, was nachher auf den Tellern landet ist nur zu erahnen...aber die Stimmung ist entspannt, ein bisschen small talk gemeinsames Genießen des Buffets. Die Stimmung wird locker, als die Musik zum Tanz aufspielt, mich beeindruckt die Bürgermeisterin von Nouna mit ihrem schwarzen Hut, die keinen Tanz auslässt und sich offensichtlich sehr vergnügt.

Erste Gelegenheit für mich, die anderen deutschen Teilnehmer und die Inwent –Leute samt ded-Vertretung zu begrüßen – schön, dass alles so gut geklappt hat und alle angekommen sind.

Der Abend wird nicht lang. M. Kocty zieht sich gegen 21h30 schon zurück, ich bin nicht undankbar dafür –ich habe mit meinem Chauffeur ein erstes Treffen um 21h30 ausgemacht gehabt und werde prompt erwartet...Luxus, so ein Chauffeur...

Auch am nächsten Morgen steht mir der Chauffeur von Souley zur Verfügung: um 8h30 bin ich nach einer langen Fahrt über Ouagas verstopfte Straßen auf dem Gelände der SIAO angekommen:

Eine riesige Halle, klimatisiert natürlich – hätte ich mir denken können.

Entsprechend kalt ist mir die ganze Zeit – ich bin froh, dass wir uns nicht zu lange hier aufhalten müssen. Ich konzentriere mich aufs Zuhören und schreibe nichts mit – hoffend, dass es genügend Redevorlagen oder Protokolle geben wird.

Ich gerate mitten in die Diskussion um den Beitrag der Akteure der dezentralisierten Entwicklungszusammenarbeit zur lokalen Entwicklung...

Anders als ich es erwartet hatte sind die meisten Beiträge nicht ausufernd sondern ganz sachlich und gezielt und trotz der Größe der Versammlung ( 359 Bürgermeister...) gelingt es den Podiumsvertretern, auf die einzelnen Fragen einzugehen oder sie zumindest zu vermerken...

Behalten habe ich den Satz von Simon Compaore ,dass die Partner ihre Geigen aufeinander abstimmen sollten ( accorder leurs violons...) als zentrale Botschaft auch für unser Thema der Dreieckspartnerschaften.

Interessant für mich die ganz praktische Frage des Bürgermeisters von Fada, M. Kocty, die er schon in Fada stellte: wer denn einen Scheck einlösen könne, der auf das comité de jumelage und die mairie ausgestellt ist....die Frage hat uns auch bei unserem atelier noch einmal beschäftigt und schien nicht so einfach zu beantworten: für mich sieht es so aus, dass das comité, auch wenn es ein eigenes Konto haben sollte, dem Bürgermeister und Stadtrat immer rechenschaftsplichtig ist, also immer über den Verbleib des Geldes Buch führen muss...was das Einlösen angeht, bin ich mir nicht sicher...

Die Vorstellung des Pilotprojekts über die dt-frz-burkinischen Dreieckspartnerschaften interessiert ab 9h30 dann doch auch den größten Teil der nicht betroffenen Gemeinden, nur wenige nutzen den Wechsel des Gegenstands zu einem Verlassen des Saales.

Ich weiß nicht, wieweit klar wird, dass das Projekt unterstützen und qualifizieren soll und nicht doch die Erwartung besteht, dass über das Projekt auch Gelder fließen...es kommen dann doch einige Fragen, warum die oder die Gemeinde denn nicht ausgewählt worden sei für das Pilotprojekt obwohl sie doch auch deutsche und französische Partner hätten....Ansonsten gibt es vor allem Beispiele für gelungene Zusammenarbeit.

Der Wunsch nach deutschen Partnern wird auch in den Cafépausen am Morgen und dann noch mal am Nachmittag recht deutlich: sobald klar war, dass ich aus Deutschland komme, wird eine Visitenkarte gezückt und überreicht – man kann ja nie wissen, vielleicht gibt es einmal einen glücklichen Zufall und ich kenne eine deutsche Gemeinde, die noch Partner in Afrika sucht...

Vor dem geplanten atelier am Sitz der AMBF treffen wir Idrissa Tandamba, den ehemaligen Bürgermeister von Fada, den ich seit vielen Jahren kenne, der in Ettlingen war und der den ehemaligen Ettlinger Bürgermeister Josef Offele sehr schätzt, ( Herr Offele war 1999 zum 25.Jubiläum Fada-Epernay als erster Ettlinger Bürgermeister auf Einladung seines französischen Amtskollegen auch in Fada...) M. Tandamba ist mittlerweile Abgeordneter der Nationalversammlung und er besteht darauf, Genevieve und mich zusammen mit M.Kocty heute abend zum Essen einzuladen, eine Einladung, die natürlich nicht ausgeschlagen werden kann...

Fahrt zum Sitz der AMBF mit den eingeladenen Partnergemeinden: es folgt ein atelier, das dank einer stringenten Moderation doch mehr an Informationen und Diskussionen bietet, als ich das bei der Vielzahl und Verschiedenheit der Partnerschaften erwartet hatte.

Beispiele für gelungene und Beispiele für weniger gelungene Projekte wechseln sich ab. Deutlich wird mir, dass sehr oft in ziemlicher Unkenntnis der Bedingungen der Partner gehandelt wird –natürlich immer in bester Absicht...

Es scheint doch vor allem darum zu gehen, die Geigen gut aufeinander abzustimmen.

Auf der burkinischen Seite werden auch Unsicherheiten bis hin zu Störungen im Verhältnis zwischen den lokalen comités de jumelage und den mairies deutlich, die jeweiligen Kompetenzen sind wohl klar – die „maitrise d’ouvrage“ liegt immer bei der Gemeinde - aber es ist so, dass sich das noch nicht überall praktisch umgesetzt hat, die europäischen Partner halten sich aus Gewohnheit, Erfahrung oder mangelnder Kenntnis noch immer eher an die gewohnten Partner in Burkina, die aber oft keine gewählten Vertreter ihrer Gemeinde sind.

Für die Partner geht es darum, die Energien zu konzentrieren und nicht sie zu zerstreuen, was wegen der Überschaubarkeit von kleineren, einzelnen Projekten auch für uns eine Versuchung war..

Seit die Stadt Epernay sich mit einem festen, jährlich im Haushalt eingestellten Betrag, an Projekten in Fada beteiligt und regelmäßig Stadtratsvertreter aus Epernay nach Fada reisen, ist einiges mehr gelaufen und für uns besteht die Herausforderung darin, mit den Partnern die geeigneten Projekte zu identifizieren . Dazu sind in der Intentionserklärung, die am Ende verabschiedet wurde, einige Vorschläge gemacht, z.B. der, dass zunächst 3 Projekte vom burkinischen Partner vorgeschlagen und nach Diskussion unter den Partnern dann die Auswahl des gemeinsamen Projekts erfolgen soll.

Was für uns nicht heißen soll, dass wir nun nicht mehr für jahrelange Partnerprojekte spenden dürfen – aber die Spenden sollten dem Bürgermeister und Gemeinderat mitgeteilt werden – auch damit mehr Transparenz in dem ziemlich unübersichtlichen Dschungel an Projektförderungen geschaffen wird.

Ich glaube, es geht darum, sich selbst und vor allem seine Organisation in einen größeren Zusammenhang stellen zu lassen, nicht einfach weiterzumachen wie immer, mit den Personen, die sich irgendwann als zuverlässig, ehrlich oder einfach sympathisch erwiesen haben, sondern zu erkennen, dass die Entwicklungszusammenarbeit auch des kleinen Vereins oder der kleinen Gemeinde durchaus positive Folgen für die größere Gesamtheit der burkinischen Gemeinde oder des Gemeindeverbundes haben kann und es geht darum, die neuen Bedingungen zu studieren und anzuerkennen.

Das schränkt vielleicht einen Teil der „Souveränität“ ein, vermeidet aber auch eher das Gefühl, mühsam errungene Gelder bei den falschen Projekten oder den falschen Personen eingesetzt zu haben...

Für mich sind neben den Diskussionen im atelier natürlich vor allem die Randgespräche mit den burkinischen und französischen Partnern wichtig – es zeigt sich aber auch, dass ein großer Gesprächsbedarf besteht, dem man im Rahmen des ateliers natürlich nicht gerecht werden kann. Insgesamt aber ein gelungener Start, der die Grundlagen für eine effektivere Zusammenarbeit gelegt hat.

Der Abschluss des Tages bei der feierlichen „cloture“ der Journées de la commune in Anwesenheit des Premierministers macht mir die große Bedeutung der Dezentralisierung für Burkina Faso noch einmal so richtig deutlich.

Das Programm war natürlich deutlich länger als erwartet – leider kann ich nun nicht am gemeinsamen Abendessen mit den deutschen Partnergemeinden und den INWENT und ded-Leuten teilnehmen, ich fahre gleich mit Genevieve und dem Bürgermeister zur Nationalversammlung, wo Idrissa Tandamba auf uns wartet.

Wir verbringen einen sehr angenehmen und ruhigen Abend im Restaurant „Le Palmares“, wo viele gemeinsam Erlebnisse ausgetauscht werden und die konkrete Planung dann doch noch einmal in den Hintergrund tritt...aber das ist ja einfach auch wichtig in der Zusammenarbeit, dass eine persönliche Grundlage da ist und ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden kann...

Der Donnerstag vergeht mit letzten Einkäufen für den Weihnachtsmarkt, Abschiednehmen und einem letzten Besuch in der Firma von Souleymane Sow

Die Abfertigung am Flughafen ist unkompliziert und schnell. Leider sehe ich die INWENT-Leute erst, als ich schon im Flugzeug sitze. Der Flieger ist voll und zu einem Austausch kommt es dann doch nicht mehr, auch die Umsteigezeit in Paris ist zu knapp.

Aber dafür wird es ja sicher noch genügend Gelegenheiten geben...

Gudrun John, 28.12.2007

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